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   Kurische Nehrung  
     
     

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Mit der Kurischen Nehrung haben Wind und Meer als Baumeister etwas Einzigartiges geschaffen. Nach dem Ende der letzten Eiszeit überflutete die Ostsee nach einer vermutlichen Bodensenkung weite Teile des noch aus Festland bestehenden heutigen Kurischen Haffs. Nur ein schmaler Landstreifen (um Sarkau) und ein Inselkern (Rossitten) blieben bestehen. Vor 7000 Jahren begannen sich die Inseln zu vergrößern, weil das Meer von der Küste des Samlandes Sand heranspülte. Wind und Strömung häuften immer mehr Sand an, bis sich die Inseln verbanden und die fast 100 km lange Nehrung entstand und das Haff von der Ostsee trennte. Dieser Zustand war vor ca 2500 Jahren erreicht.

Vor 5000 Jahren kamen die ersten Bewohner auf die Kurischen Nehrung, es waren Sammler, Jäger und Fischer. Im Laufe der Zeit wuchs auf der Nehrung dichter Wald, der ab dem 16. Jahrhundert fast völlig gerodet wurde. Dadurch konnte der Wind den Sand zu Wanderdünen aufwehen, die sich in Nord - Süd - Richtung fast über die gesamte Kurischen Nehrung erstrecken.

Im laufe der Geschichte wurden Dörfer, Wälder und Sraßen der Nehrung mehrmals unter Sandmassen begraben. Die wandernden Sandmassen versetzten die Nehrungsbewohner in Angst. Hilflos mußten sie zusehen, wie der Sand in die Häuser eindrang und nicht weniger als 14 Dörfer unter 30 bis 40 m hohen Sand begrub.

Erst als im 19. Jahrhundert wieder Kiefern gepflanzt wurden und sich ein Waldstreifen bilden konnte, beruhigten sich die Dünen. Am Ufer des Meeres wurden außerdem Vordünen angelegt. Sie sollten verhindern, dass der übers Meer gewehte Sand die Wanderdünen noch weiter wachsen lässt. Diese Rechnung ist aufgegangen.
Sehr verdient machte sich der Förster Franz Epha, der mehr als 40 Jahre für den Dünenschutz arbeitete. Aus Dankbarkeit. benannten die Bewohner von Pillkoppen die 60 m hohe bepflanzte Düne nach ihm.

Die Entwicklung der Kurorte auf der Nehrung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verlief zugleich mit dem wirtschaftlichen und sozialen Wandel in Preußen. Die Wirtschaft blühte, die städtiesche Bevölkerung nahm zu. Bereits 1816 hatte das Ostseebad Cranz sich einen Namen gemacht. Der erste Kurort auf der Nehrung war Schwarzort, das 1840 seine Pforten für Gäste öffnete.

Vor dem 2. Weltkrieg drehten deutsche Regisseure auf der Nehrung die Wüstenszenen ihrer Kinofilme. Nach den zweiten Weltkrieg ging die in Jahrhunderten gewachsene Gemeinschaft von Nehrungskuren, Litauern, Deutschen und Juden, von Fischern, Hotelbesitzern, Feriengästen und Künstlern, unwiederbringlich verloren. 1956 waren auf der heute litauischen Seite der Kurischen Nehrung von 1412 Bewohnern 1193 Neuansiedler und 219 Alteingesessene.

Aufgrund der besonderen militärstrategischen Bedeutung durfte das Gebiet seit 1946 von Ausländern gar nicht und von Sowjetbürgern nur mit Sondergenehmigung betreten werden. Dadurch existierte die kurische Nehrung danach fast ein halbes Jahrhundert für viele nur noch in der Erinnerung. Im Zuge der Perestroika erklärte die russische Regierung 1991 das Gebiet Kaliningrad nach 50 Jahren wieder für frei zugänglich. Im gleichen Jahr erfolgte die Unabhängigkeitserklärung Litauens, Lettlands und Estlands. Ein paar Monate später zerfiel die Sowjetunion ganz. Der Oblast Kaliningrad wurde als Teil der Russischen Föderation zur Exklave. Die kurische Nehrung ist heute zweigeteilt, die nördliche gehört zu Litauen die südliche zu Russland.

Schwere Ostseestürme machten die Nehrung im Januar 1983 zeitweise zur Insel. 14 km von Selenogradsk (Cranz) entfernt, hinter der Ortschaft Lesnoje (Sarkau), durchbrach die Ostsee (an der schmalsten Stelle der Nehrung) die Vordüne und überflutete 2 km der Nehrung. Kurzfristig war eine zweite Verbindung zwischen Kurischem Haff und Ostsee entstanden. Nur mit großer Mühe konnte dieser Durchbruch der Ostsee wieder geschlossen werden.

1987 wurde die Kurischen Nehrung zum Nationalpark erklärt, um die einzigartige Naturlandschaft auf der Landzunge zu schützen. Doch nicht nur die Natur wurde geschützt, die Kulturlandschaft gehört seit dem Jahr 2000 zum Weltkulturerbe der Unesco.
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Heute gibt es nur noch auf 12 % des litauischen Teils der Nehrung und auf 23 % des russischen Teils Wanderdünen. Diese geringen Reste aber sind wichtig für die Natur. Sie beherbergen einmalige Lebensgemeinschaften aus Trockenrasen, Thymianheiden, Silbergrasfluren, artenreichen Wiesen, Mooren, Bruchwälder und Niedermoore. Allein 632 Gefäßpflanzen, 45 Moos- und 48 Flechtenarten wachsen auf den Wanderdünen und in ihren Randbereichen.

" Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, dass man sie gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll" notierte der vielgereiste Wilhelm von Humboldt zu Beginn des 19 Jahrhunderts. Das gilt noch heute. 

Seit Menschengedenken hat die Kurische Nehrung Besucher in ihren Bann gezogen. Seltsam und schaurig, karg und schön zugleich, so erschien die Nehrung vielen Besuchern.