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30.08.2005

 

 

Beitritt: Zum Jubiläum wurde auch der Kreis Pinneberg Vereinsmitglied. Verein Selenogradsk sorgt seit zehn Jahren für deutsch-russische Kontakte.

Zweigleisig liefen die deutsch-russischen Beziehungen jahrelang. Am Tag des zehnjährigen Bestehens des Vereins Selenogradsk wurden sie auch offiziell auf eine Schiene gebracht. Der Kreis Pinneberg wird das 200. Mitglied im Verein. Kreispräsident Burkhard E. Tiemann überreichte der Vereinsvorsitzenden Gabriele Kascha das Eintrittsformular passend zum Jubiläumsfest in der Barmstedter Jugendbildungsstätte.

"Richtige Völkerverständigung wächst von unten", erklärte Tiemann. Daher habe der Verein vieles von dem verwirklicht, was mit der offiziellen Partnerschaft zwischen dem Kreis Pinneberg und dem Rayon Selenogradsk bezweckt worden sei. "Sie erfüllen die Partnerschaft mit Leben", so Tiemann. Daß die Aktivitäten in Selenogradsk und darüber hinaus bekannt und spürbar sind, bestätigte auch Natalia Alexejewa, Attaché des russischen Generalkonsulats in Hamburg. "Das weiß ich auch als Bürgerin des Kaliningrader Gebiets", betonte sie. "Wir können Ihre Arbeit nur als großartig bezeichnen."

Begonnen hatten die Kontakte kurz nach dem Fall des eisernen Vorhangs mit einer Reise samt Hilfsaktion von Elmshorner Lehrern und Schülern. Mittlerweile ist Selenogradsk regelmäßig Ziel von Klassenfahrten. Zuverlässig tragen auch die einmal jährlich vom Verein organisierten Reisen in die ehemals ostpreußische Küstenregion dazu bei, Neugierige aller Altersgruppen mit den landschaftlichen Reizen und herzlichen Kontakten vertraut zu machen. Die Jugendgruppe stellte bereits dreimal Nachwuchsteams zusammen, die ihren Aufenthalt in Selenogradsk zum Bau von Spielplätzen nutzten.

Gefeiert wurde nicht nur mit Vertretern aus Politik und Vereinsleben, sondern auch mit vielen russischen Gästen. Die jungen Musiker der Gruppen Pljassizi, Gloria und Mosaica feierten zugleich den Abschluß ihrer Konzertreise durch den Kreis Pinneberg. Mittendrin: acht Gastschüler aus Selenogradsk, die derzeit im Kreis Pinneberg leben.

Getrübt wurde die Festtagsstimmung von einer Nachricht aus Selenogradsk. Valerij Gubarov, Leiter der Administration des Rayon Selenogradsk, hatte seine Teilnahme kurzfristig absagen müssen. Er war auf dem Weg zu seiner Dienststelle von Unbekannten überfallen und erheblich verletzt worden. Ein Zusammenhang mit dem aktuellen Kommunalwahlkampf im Kaliningrader Gebiet gilt als wahrscheinlich.

Der Vorfall wirft einmal mehr einen dunklen Schatten auf das Rußland-Bild, um dessen Aufhellung sich der Verein Selenogradsk seit nunmehr einem Jahrzehnt bemüht. Um so wertvoller sei, so merkte der Bundestagsabgeordnete Rainder Steenblock (Grüne) an, der Beitrag den die Partnerschaftsvereine auf beiden Seiten zum Aufbau einer "stabilen Zivilgesellschaft" leisten. Gerade in Selenogradsk hätten es selbstbewußte Menschen mit unabhängigen Einrichtungen geschafft, die Interessen der Bürger unabhängig von politischen Turbulenzen zu vertreten.

Im Kreis Pinneberg kann der Verein auf politischen Rückhalt jenseits aller Parteigrenzen bauen. Ebenso wie Steenblock sagten auch die Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann (SPD) und Ole Schröder (CDU) neben praktischer Unterstützung auch Hilfe im Kampf gegen bürokratische Hemmnisse zu.

Pinneberger Zeitung
von Nils Baumgarten