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25.11.2011

 

 

Ärzte wollen bei einer Operation im Regio-Klinikum die Fehlstellung der Füße des russischen Mädchens korrigieren

Im Kreis Pinneberg wollen viele Menschen dem russischen Mädchen Anna dabei helfen, das Laufen zu lernen. Die Dreijährige leidet seit ihrer Geburt an einer Beinlähmung. Heute wird sie im Regio-Klinikum operiert. Das Ziel der Ärzte ist, die massive Spitzfußstellung aufzulösen.

Das Mädchen lebt im russischen Selenogradsk, zu dem der Kreis Pinnebergs seit vielen Jahren über einen Verein eine enge Beziehung hält. Gabriele Kascha, Vorsitzende der Partnerschaftsorganisation, hatte Ärzte und Mutter zueinander gebracht. Otto Melchert, Hauptgeschäftsführer der Regio-Kliniken sagte spontan zu, die Kosten für die Operation und die Betreuung im Krankenhaus zu übernehmen. Für die orthopädischen Hilfsmittel kommt das Pinneberger Sanitätshaus auf.

Darüber hinaus wird das Mädchen in der Krankengymnastikpraxis Timmermann in Tornesch kostenlos behandelt. Die Reittherapeutin Petra Heidorn vom Appener Schäferhof kümmert sich einmal pro Woche um Anna. Im Integrativen Kindergarten der Lebenshilfe in Elmshorn darf sie mitspielen, in der Appener Heidewegschule ist sie willkommen, und ein Mitglied des Selenogradsk-Vereins hat kostenlos seine Wohnung zur Verfügung gestellt.

"Das ist etwas ganz Besonderes", freut sich Gabriele Kascha über die große Unterstützung. Sie hatte mit dem Verein Selenogradsk vor elf Jahren die heutige Mutter betreut und erst lange Zeit nach der Geburt von Anna erfahren, dass das Kind gehbehindert ist.

In Russland können sich nur reiche Familien so eine Operation leisten

In Russland hätte die Kleine keine Chance gehabt, ihre gesundheitliche Situation zu verbessern. Nur Familien, die reich genug sind, können medizinische Hilfen selbst bezahlen. "Es ist schön, einem jungen Menschen zu helfen, einen Schritt ins Leben zu schaffen", sagt Regio-Klinik-Hauptgeschäftsführer Melchert.

Die Operation übernimmt der Kinderorthopäde Markus Stücker. Am Donnerstag um 12 Uhr soll die für gut zwei Stunden geplante OP beginnen. Hinterher kümmern sich in der Pinneberger Kinderklinik Bettina Moser und ihr Team um die Kleine. Mindestens vier Tage wird Anna gemeinsam mit ihrer Mutter im Krankenhaus umsorgt. Gleichzeitig bekommt sie sowohl Beinschienen für die Nacht zum Lagern als auch für den Tag zum Gehen. "Die Orthesen müssen angepasst werden", erklärt Sascha Feustel vom Sanitätshaus.

In Deutschland sind solche Operationen Routine. Aber auch hinterher kommen die Betroffenen zumeist nie ganz ohne Hilfsmittel aus. Ein Rollator, ähnlich dem Gehwagen für Senioren, soll auch Anna bei ihren ersten Schritten helfen.

"Sie will aufstehen und laufen", erzählt ihre Mutter Marianna Yudina. Kinderorthopäde Stücker ist optimistisch, dass die Kleine ein eigenständiges Leben führen kann. Das erste große Ziel ist, Anna so fit zu machen, dass sie eine ganz normale Schule besuchen kann.

Das ist in Russland gar nicht so einfach. Denn wer nicht allein Treppen und andere Hürden bewältigen kann, bekommt im Schulsystem keine Chance. Stattdessen werden diese Kinder ein paar Stunden Zuhause unterrichtet. "Wir müssen Anna fördern", sagt Gabriele Kascha. Sie weiß, was Menschen mit Behinderung leisten können. Denn sie arbeitet als Pädagogin in der Heidewegschule mit vielen jungen Leuten, die gehandicapt sind.

Dort hatte die Lehrerin bei einem Routinebesuch des Orthopäden die Chance genutzt und Dr. Stücker nach den Behandlungsmöglichkeiten für Anna gefragt. Wenig später untersuchte der Arzt das Mädchen. Obwohl er nicht direkt mit der kleinen Russin sprechen kann, ist er überzeugt, dass das Mädchen viel lernen kann. Stücker: "Sie ist rege und körperlich so weit entwickelt, wie andere Kinder in ihrem Alter und will endlich aufstehen und laufen.".

Heute drücken viele Menschen den Daumen, dass die Operation gut klappt. Auch in Zukunft wollen die Unterstützer die Entwicklung des Kindes im Auge behalten. Klinik-Chef Melchert verspricht: "Wir übernehmen eine Patenschaft." Wenn Anna wächst und neue Hilfsmittel und medizinische Betreuung benötigt, übernehmen die Regio-Kliniken auch diese Aufgabe.

Jetzt hoffen Mutter und Unterstützer, dass Anna spätestens zu Weihnachten wieder in der Heimat ist. Denn Zuhause wartet und bangt der Vater.

Hamburger Abendblatt
Michael Rahn