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25.11.2010

 

 

Regio-Kliniken operieren ein russisches Mädchen und geben ihm damit eine Zukunft.

Anna lässt sich von dem Trubel, der um sie herum herrscht, nicht aus der Ruhe bringen. Während neben ihr am Tisch die Erwachsenen reden, schiebt sie immer wieder den Teelöffel an den Mund des kleinen Plüschbären, um ihn zu „füttern“.
„Mischka“, wie sie ihn nennt, ist ein Geschenk von Otto Melchert, dem Hauptgeschäftsführer der Regio-Kliniken. Doch das Klinik-Unternehmen hat der Dreijährigen und ihrer Familie ein noch viel größeres Geschenk gemacht. Die Kliniken übernehmen die Kosten für die Operation ihrer verkrüppelten Füße und geben der jungen Russin damit eine Zukunft.
Als Anna vor drei Jahren in Selenogradsk, der Partnerregion des Kreises Pinneberg, zur Welt kam, wurde ihr Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Folge war eine spastische Fehlstellung der Füße. Die verhindert, dass Anna überhaupt auftreten kann.
Mit einer gut zweistündigen Operation kann diese Fehlstellung durch eine Verlängerung der Muskeln und Sehnen weitgehend behoben werden. Doch was in Deutschland mittlerweile ein Routineeingriff ist, ist in Russland nicht selbstverständlich. Glück für Anna, dass ihre Mutter Marianna Yudina vor elf Jahren Gastschülerin im Kreis Pinneberg war. Marianna Yudina berichtete der Vorsitzenden des Vereins Selenogradsk, Gabriele Kascha, von ihrem behinderten Mädchen. Die Vorsitzende entschied, Mutter und Kind nach Deutschland zu holen. Kascha, die hauptberuflich in der Heideweg-Schule mit behinderten Kindern arbeitet, stellte Anna Dr. Markus Stücker vor. Er ist Kinderorthopäde bei den Regio-Kliniken und häufiger in der Heideweg-Schule.
Anfang November untersuchte Stücker das Mädchen zum ersten Mal. Heute Mittag soll es operiert werden. Der Orthopäde hatte sofort zugesagt, Anna zu behandeln und auch sein Arbeitgeber zögerte nicht, Hilfe zu gewähren. „Da haben wir nicht lange überlegt“, sagt Geschäftsführer Melchert.
Außer den Kosten für den Eingriff übernehmen die Kliniken noch eine Patenschaft für die zukünftige Behandlung der Dreijährigen. Melchert: „Wir wollen Anna wachsen und gehen sehen.“
Die Patenschaft umfasst unter anderem sogenannte Orthesen, Stützschienen, die bereits wenige Tage nach der OP angepasst werden und Anna ermöglichen sollen, Laufen zu lernen. Nach Einschätzung von Dr. Markus Stücker wird Anna zwar immer eine Gehhilfe brauchen. Mit der Operation erhält das Mädchen aber eine Zukunft.
In Russland werden laut Gabriele Kascha nämlich selbst gehbehinderte Kinder als geistig behindert „abgestempelt“ und nicht eingeschult. Durch die Operation in Pinneberg kann Anna aber künftig ganz normal zur Schule gehen. Denn eine geistige Behinderung hat sie nicht. Im Gegenteil: Das Mädchen ist für ihr Alter vergleichsweise aufgeweckt. Möglich, dass es Anna dank der medizinischen Hilfe der Regio-Kliniken bis zum Abitur schafft. Und vielleicht studiert sie dann sogar Medizin.

Uetersener Nachrichten
Sebastian Kimstedt