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06.04.2011

 

 

In der Pinneberger Regio-Klinik am Spitzfuß operiertes russisches Mädchen kommt jetzt allein voran

Die kleine Anna hat gelitten, geweint, geschrien. Erst wollte sie ihren Gips nicht tragen, dann wehrte sie sich gegen die Beinschienen. Jetzt kann die Dreijährige wieder strahlen und plappert unermüdlich. "Und wenn sie morgens aufwacht, will sie sofort ihre Schienen anhaben, mit denen sie laufen kann", erzählt Mutter Marianna Yudina, 29, und strahlt fast genauso.

Möglich gemacht haben diesen Fortschritt Ärzte der Pinneberger Regio-Klinik. Sie untersuchten und operierten das Mädchen, das unter extremen Spitzfüßen litt, und zwar kostenlos für die Familie. "Wir wollen Anna wachsen und gehen sehen", sagte Klinik-Geschäftsführer Otto Melchert. Er entschied spontan, sämtliche Klinikkosten für das Kind zu übernehmen. Die orthopädischen Hilfsmittel werden vom Pinneberger Sanitätshaus getragen.

Noch bis vor einem halben Jahr hatten Mutter und Vater Vladimir, beide 29, große Sorgen, wie sie ihren "kleinen Schatz" durchs Leben bringen. In Selenogradsk wie in ganz Russland haben Behinderte kaum Entwicklungschancen. "Viele werden in den Familien versteckt, auch von dem Mädchen habe ich erst spät erfahren", sagt Gabriele Kascha. Sie kennt die Mutter, die als Schülerin im Austauschprogramm des Kreises Pinneberg mit dem Partnerbezirk Selenogradsk mehrfach bei ihr zu Besuch war.

Gabriele Kascha bat Marianna Yudina, ihr Kind beim nächsten Besuch einer Selenogradsk-Gruppe mitzubringen. Gleichzeitig nahm sie Kontakt zur Regio-Klinik auf. Der Kinderorthopäde Markus Stücker untersuchte das Kind. Als der Geschäftsführer der Klinik grünes Licht gab, wurde die notwendige Operation vorbereitet.

Zweieinhalb Stunden benötigten Stücker, Jörg Sühwald und ihr Team, um die Spitzfüße in die normale 90-Grad-Stellung zu bringen. Gleichzeitig bereitete die Krankengymnastin Andrea Timmermann ein Trainingsprogramm vor.

Krankengymnastin leitet das Übungsprogramm per Skype an

Dank Computerprogrammen wie Skype kann die Therapeutin die Mutter aus der Ferne anleiten. "Wir schicken manchmal ein Video per E-Mail, damit die Krankengymnastin sagen kann, was wir anders machen sollen."

Nach der OP vor vier Monaten waren die Ärzte sehr vorsichtig, was die Zukunftsaussichten des kleinen Mädchens angeht. "Sie macht tolle Fortschritte", sagte Kinderorthopäde Markus Stücker nach der ersten großen Nachuntersuchung.

"Anna will gehen. Ihr macht das unheimlich Spaß", erzählt Mutter Marianna. "Das funktioniert so gut, weil die Eltern wirklich täglich mit dem Kind üben", berichtet Gabriele Kascha.

Dieses Trainingsprogramm ist nicht einfach. Mindestens drei Mal täglich eine halbe Stunde muss Anna üben. "Manchmal hat sie dazu natürlich keine Lust", gesteht die Mutter. Doch die Mama bleibt unerbittlich. "Manchmal benötigen wir zwei Stunden, um das Übungsprogramm abzuarbeiten", berichtet Marianna Yudina.

Gut zwei Wochen sind Mutter, Kind und erstmals auch Vater Vladimir dieses Mal in Deutschland. Am Freitag wollen sie in die Heimat zurückkehren. Die Hilfsmittel, zu denen neben dem Rollator Beinschienen für die Nacht und Gehschienen für den Tag gehören, sind angepasst worden. "Das hängt jetzt von Annas Wachstum ab, wann wir neue Orthesen anfertigen müssen", sagt Sascha Feustel, Chef des Sanitätshauses.

Wenn alles gut läuft, kann das Mädchen vielleicht eines Tages ganz auf Hilfsmittel verzichten. Vorerst bremst Kinderorthopäde Stücker die Euphorie: "Wir müssen Geduld haben. Anna hat jetzt aufgeholt, wie andere Kinder im Alter von einem Jahr Laufen lernen. Ihre Muskulatur muss weiter wachsen."

Daran werden Mutter Marianna und Vater Vladimir auch in Zukunft arbeiten. Denn sie wollen erreichen, dass ihr "kleiner Schatz" als großes Mädchen eine ganz normale Schule besucht

 

Pinneberger Zeitung