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Sparkasse Südholstein

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06.04.2011

 

 

PINNEBERG. Die Tränen fließen in Sturzbächen. Verzweifelt klammert sich die kleine Anna an ihren Papa Vladimir Yudina. Im Gymnastikraum des Pinneberger Regio-Klinikums fühlt sich die Dreijährige zunächst gar nicht wohl. Zuviele Erinnerungen, weiß ihre Mutter Marianna. Erinnerungen an eine Operation, bei der dem blonden Mädchen aus dem russischen Selenogradsk (ehemals Cranz) die Archillessehnen beider Füße durchtrennt und leicht verlängert wurden.

Doch schon bald gewinnt die Fröhlichkeit wieder Überhand. Anna greift nach einem Plastikball, wirft ihn hoch. Ein roter Flummi hat es ihr besonders angetan. Wo ist der nur hingekullert? Das Kind begibt sich auf die Suche. Schritt für Schritt arbeitet es sich vorwärts. Immer dabei: die stützende Hand ihrer Mutter sowie der knallgrüne Rollator mit den bunten Schmetterlingsaufklebern.

Oberarzt Markus Stücker, der Annas Spitzfüße korrigiert hat, ist begeistert. "Anna macht tolle Fortschritte", sagt er während der Nachuntersuchung. Sie setze die Füße aktiv ein, könne sie mittlerweile selbst hochheben. Ein Erfolg, der vielen helfenden Händen im Kreis Pinneberg zu verdanken ist: Otto Melchert, Geschäftsführer der Regio-Kliniken, übernahm mit seinem Unternehmen die Kosten für die Operation und die medizinische Versorgung. Sascha Feustel, Leiter des Sanitätshauses Pinneberg, stellte Beinschienen und Rollator bereit.

In ständigem Kontakt mit der Familie Yudina ist Gabriele Kascha, Vorsitzende des Vereins Selenogradsk. Sie hatte auch den Kontakt hergestellt. "Ich bin begeistert von diesen tollen, aktiven Eltern, die alles tun, um ihr Kind zu unterstützen", sagt sie. Dreimal am Tag - mindestens eine halbe Stunde lang - müsse Anna ihre Krankengymnastik absolvieren. Das Training übernehmen Mutter und Vater, angeleitet von Bettina Timmermann, die in Tornesch eine Praxis hat. "Sie sagt uns via Skype oder per Video-Mail, was wir tun sollen", erläutert Marianna Yudina.

Die Übungen zeigen Wirkung. "Drei Jahre lang konnte Anna gar nicht laufen. Sie muss noch einiges an Kraft entwickeln. Jetzt befindet sie sich etwa auf dem Stand einer Einjährigen", stellt Dr. Jörg Sühwold fest. Er sieht ebenso wie sein Kollege Stücker reelle Chancen dafür, dass Anna in ein paar Jahren kurze Strecken ganz ohne Beinschienen und Rollator zurücklegen kann. Dann wird sie auch wie ein "ganz normales Mädchen" in Russland zur Schule gehen können. Denn eines ist klar: "Anna will laufen, das merkt man ganz deutlich", sagt ihre Mutter.

Pinneberger Tageblatt