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Sparkasse Südholstein

Stiftung

 

20.08.2ß16

 

 

 

Es sind üble Attacken, die an Zeiten des Kalten Kriegs erinnern, mit denen in russischen Medien gegen die Partnerschaft des Kreises Pinneberg mit Selenogradsk agitiert wird. „Aufenthalt in Deutschland – der erste Schritt zum Staatsverrat“, lautet die Überschrift eines Beitrags.
Während der Kreis Pinneberg noch vorsichtig von einem „zurückhaltenden Empfang“ der Delegation spricht, wird ein Mitglied einer Delegation von Feuerwehrkräften, die ebenfalls in Selenogradsk war, deutlicher: Geplante Projekte mit verschieden Schulen hätten nicht stattgefunden. Die Schulen hätten nichts mehr mit dem Verein zu tun haben wollen. Der Empfang sei nicht besonders herzlich gewesen.
Möglicherweise, so die Vermutung von Politikern aus dem Kreis Pinneberg, seien die Veröffentlichungen Schuld an der ablehnenden russischen Haltung. Dort wird von der Entlassung von Elena Alexandrova berichtet. Es sei ihr als Beamtin gesetzlich verboten, für eine ausländische Nichtregierungsorganisation (NRO) zu arbeiten. Das habe Alexandrova zudem verheimlicht, so der Vorwurf. Seltsam ist jedoch, dass Alexandrova beide Funktionen schon lange inne hatte und, wie auf dem Foto zu sehen, keineswegs ein Geheimnis daraus gemacht hatte. Der Austausch von Schülern sei zudem einseitig gewesen, heißt es in den russischen Beiträgen, die in einem Kaliningrader Internetportal, im Fernsehen und in der Zeitung „Dvornik“ veröffentlicht wurden. Nur Schüler aus Selenogradsk und anderen Kreisen des Kaliningrader Gebiets hätten Deutschland besuchen dürfen. Sie hätten alles bezahlt bekommen und seien meist in Familien von Polizisten untergebracht worden. Auch das ist nicht zutreffend, wie die deutsche Seite erklärte. Zudem hätten die Kinder an diversen psychologischen Programmen sowie Bildungsprogrammen teilnehmen müssen. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann, dessen Ausbildung zum Diplom-Psychologen in den Beiträgen erwähnt wird, wird angegriffen. Er habe russische Schüler zu Besuchen in den Bundestag eingeladen. Das sei ebenfalls Teil einer Strategie gewesen. Viele der ehemaligen Gastschüler seien nämlich nach ihrer Rückkehr ins Kaliningrader Gebiet Mitglieder der dortigen politischen Jugendverbände geworden.
Verschwörungstheorien kursieren Eine Vielzahl von ausländischen Organisationen rekrutierten in jüngster Zeit junge Menschen an den russischen Universitäten und Schulen und lockten mit Zuschüssen an verschiedenen „Bildungsprogrammen“, so die Verschwörungstheorie in den Beiträgen. Das, was im Ausland gelehrt werde, sei nicht im Interesse Russlands. Der minimale Schaden sei, dass die talentiertesten jungen Menschen abgeworben würden. Noch gefährlicher sei hingegen, dass ausländischen Organisationen eine „Neuformatierung“ der Köpfe der russischen Jugend durchführten. Ziel sei es, pro-westliche Einstellungen zu unterstützen und die junge Generation von Russen „pro-deutsch“ zu beeinflussen.
Der Verein Selenogradsk-Pinneberg sei zufällig entdeckt und dann geschlossen worden, heißt es in den Beiträgen. Wie es weiter geht mit der Partnerschaft und dem Verein Selenogradsk kann derzeit in Politik und Verwaltung des Kreises niemand sagen.

Pinneberger Tageblatt