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01.09.2016

 


Der Jugendaustausch fand trotz des drohenden Aus' der Partnerschaft zwischen Kreis Pinneberg und Rayon Selenogradsk statt.

Barmstedt.  Die Stimmung ist entspannt, es wird viel gelacht. Russische Worte fliegen durch den Raum, ebenso deutsche. Zwölf junge Russinnen und Russen und ebenso viele deutsche Jugendliche trudeln ein zur Diskussionsrunde mit Ernst Dieter Rossmann. Das Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten ist einer der Programmpunkte, die die Organisatoren Patrick Husfeldt und Lennart Jürgensen für das jährliche Jugendaustauschprojekt mit der russischen Partnerregion Rayon Selenogradsk vorbereitet haben. "Was trennt uns wirklich?" heißt das Motto dieses Treffens in der Jugendbildungsstätte Barmstedt – eine berechtigte Frage.

Rossmann: Alle Abgeordneten stehen zur Partnerschaft

Seit 25 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Selenogradsk und dem Kreis Pinneberg, ist dank der Partnerschaftsvereine auf beiden Seiten erfüllt von vielfältigen Kontakten. Und doch liegt im Jubiläumsjahr ein dunkler Schatten über dem Treffen. Gründe dafür sind unter anderem die Auflösung des Vereins auf russischer Seite wegen angeblichen Nichteinhaltens gesetzlicher Vorschriften (wir berichteten), begleitet von Attacken örtlicher russischer Medien. So sollen etwa junge Russen aus Selenogradsk während ihrer Deutschlandbesuche angeblich für Geheimdienst-Tätigkeiten angeworben worden sein. Regionale Auswirkungen der Spannungen zwischen beiden Ländern?

Auf den lange vereinbarten Besuch der russischen Jugendgruppe hat die Krise noch keinen Einfluss. Er freue sich, sagt Rossmann, dass er weiter mit den jungen Leuten reden könne, und sei beruhigt, "dass wir weiter miteinander zu tun haben". Der Sozialdemokrat betont, dass sich alle vier Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Pinneberg einig seien, wie wichtig die Partnerschaft mit Selenogradsk sei.

Deutsche und russische Jugendliche übersetzen bei der Fragerunde. Russische Medien berichten sehr kritisch über das Thema Flüchtlinge in Deutschland, so eine junge Russin. Etwa, dass die deutsche Wirtschaft sehr unter dem Flüchtlingsstrom leide. Das Gegenteil sei der Fall, so Rossmann, "wir erwarten eine Belebung der Wirtschaft." Vor allem mit der Aussicht, in zehn bis 15 Jahren durch Flüchtlinge die dringend benötigten Fachkräfte zu rekrutieren.

Und wie steht es um Kriminalität unter Flüchtlingen in Deutschland? Das spiele keine große Rolle, so Rossmann. Kriminelle Ausländer finde man bei organisierten Einbrecherbanden, etwa aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Weitere Frage: Was sind die wichtigsten Probleme, über die in Deutschland diskutiert wird? Die Beziehungen zu Russland, der Türkei und innerhalb Europas, nennt Rossmann als Erstes, "und wie wir alle in Frieden leben können". Weiterhin die Verschwendung unserer Rohstoffe und das Auseinanderklaffen der sozialen Schere.

Dann ist Mittagspause. Das Essen wird draußen im Park eingenommen. Apropos: Einer der vier Unterpunkte des Mottos "Was trennt uns wirklich?" ist das Essen, "Wer ist der andere?", "Wo leben wir?" und "Was bewegt uns?" lauten die anderen. Während der zwei Wochen gehen die Jugendlichen diesen Fragen gemeinsam auf den Grund mit einem Programm, das von kulturellen Begegnungen bis zu Ausflügen und Besuchen reicht, etwa im Kieler Landtag und im Seegerichtshof in Hamburg.

"Was trennt uns wirklich?" Möglicherweise gar nicht viel. Es wäre schade, wenn diese Partnerschaft aus politischen Gründen ihr Ende findet.

 

Pinneberger Zeitung