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26.09.2018

 


Landrat Oliver Stolz unterzeichnet neues Partnerschaftsprotokoll mit russischen Stadtkreis Selenogradsk

Es war eine langjährige Freundschaft. Doch die wurde von einer Seite arg strapaziert. Mehr noch: Sie stand kurz vor dem Aus. Nun soll sie wieder neu belebt werden: Landrat Oliver Stolz und Sergey Kulakov, Präsident des russischen Stadtkreises Selenogradsk, haben ein neues Partnerschafts-Protokoll unterzeichnet.
Am 14. Oktober 1991 hatten die damalige Kreispräsidentin Gudrun Schlüter und der russische Landrat die Partenschaftsvereinbarung unterzeichnet. Ziel war es, Freundschaften zwischen den Menschen im Kreis Pinneberg und dem früheren ostpreußischen Cranz zu schließen und einander besser verstehen zu lernen.
Das funktionierte jahrelang auch sehr gut. Vor allem die Vereine, die auf beiden Seiten zur Ausgestaltung der Partnerschaft gegründet worden waren, organisierten regen Austausch zwischen Deutschen und Russen.

Doch 25 Jahre nach Abschluss der Partnerschaft, im Sommer 2016, die Kehrtwende auf russischer Seite: Im Internet und in einer Zeitung wurde kräftig gegen die deutsche Seite gehetzt. Russische Kinder würden in Deutschland politisch manipuliert, heißt es dort. Sie sollten westlich gemacht werden. Jugendliche hätten in Deutschland bei der Polizei mit Kampfwaffen schießen und topographische Orientierung in unbekanntem Gelände üben müssen. Belege gab es dafür nicht. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete des Kreises Pinneberg, Ernst Dieter Rossmann, wurde attackiert, weil er russische Schüler in den Bundestag eingeladen hatte. Das gehöre zur Strategie der geplanten Verwestlichung der Jugendlichen, hieß es. Der russische Partnerschaftsverein wurde aufgelöst
.
Nun hofft Stolz, der bei seiner jüngsten Reise von Kreispräsident Helmuth Ahrens begleitet wurde, auf einen Neuanfang. „Wir sind sehr herzlich aufgenommen worden.“ Aus Sicht des Landrats sind die Probleme eine Folge des verschlechterten Verhältnisses von Deutschland und Russland. Eine weitere Schwierigkeit: Während der Kreis Pinneberg stets davon ausgegangen war, dass die Vereine die Partnerschaft mit Leben füllen sollten, habe die russische Seite von vornherein darauf gesetzt, dass auch Politik und Verwaltung stark eingebunden würden, so Stolz. Nach dem Verbot des russischen Vereins sei die dortige Verwaltung der einzige Ansprechpartner für den Kreis Pinneberg gewesen.
Trotz aller Widrigkeiten hatte sich der Hauptausschuss des Kreistags dafür ausgesprochen, die Partnerschaft fortzuführen. „Denn die war früher überragend gut“, sagt Stolz. Offensichtlich hatte auch die russische Seite an der Fortführung Interesse. „Wir haben vor vier Wochen überraschend eine Einladung bekommen“, berichtet Stolz. „Die haben wir gern angenommen.“
Das Partnerschaftsprotokoll sollte aktualisiert und erneut unterzeichnet werden. In 13 Punkten wird darin die geplante Zusammenarbeit der beiden Kreise skizziert. Unter anderen heißt es, dass es Zusammenarbeit und Austausch in den Bereichen Bildung und Kultur, dem Gesundheitswesen, der Öffentlichkeitsarbeit in den Verwaltungen, im Umweltschutz und vielen weiteren Bereichen geben soll.
„Es waren viele gute und wichtige Punkte aufgenommen worden, dennoch gab es ein Problem: Unser Verein wurde nicht erwähnt. Die Russen haben ja keinen Verein mehr“, schildert Stolz die schwierigste Phase der Reise. Doch das Problem konnte beseitigt werden. „Auf Seiten des Kreises Pinneberg erfolgt eine Unterstützung durch den Verein Selenogradsk. Der Stadtktreis Selenogradsk benennt seinen Ansprechpartner im Einzelfall“, heißt es nun in dem Papier.
„Herr Ahrens und ich hatten den Eindruck, dass Administration und Politik in Selenogradsk auch sehr viel an dieser Partnerschaft gelegen ist“, so Stolz. Und als der offizielle Teil bewältigt war, gab es abends noch viele Gespräche. „Die Gastfreundschaft der Russen ist unschlagbar“, sagt Stolz. Die Partner hätten in den Gesprächen ihren Wunsch nach Frieden geäußert. Es sei zudem „eine gewisse Herzlichkeit rübergekommen“.
Anstrengend sei der Ausflug gewesen, berichtet Stolz. Freitag ging’s los, Sonntag zurück. „Aber wir ziehen insgesamt ein positives Fazit“, sagt der Landrat. Der Anfang, die Partnerschaft wieder zu beleben, sei gemacht. „Jetzt müssen wir sehen, was daraus wird“, so Stolz.

Pinneberger Tageblatt